Junge Vilde

Unsere Welt von morgen

Eine Installation für die Johanniterkirche von Alexander Au Yeong, Julia Gasser, Julia Vergianitis, Marie Bechter und Lisa Bickel
Borg Götzis

Junge Vilde Jugendkunstpreis 2011

Ist Zukunft nächstes Jahr, morgen oder sogar schon in der nächsten Sekunde?
Wovon spricht man eigentlich, wenn man über die Zukunft redet?

Oft bemerken wir nicht, wie schnell die Zeit vergeht, und lassen sie einfach an uns vorbeiziehen. Viele sagen, sie wollen etwas in der Zukunft verändern, und trotzdem verschieben sie es immer wieder auf morgen. Wir wollen mit unserem Projekt den Menschen bewusst machen, dass die Zeit schneller vergeht, als wir es wahrnehmen, was sich alles in kurzer Zeit ändern kann und dass man mit jeder Sekunde und jeder Entscheidung unsere Welt von morgen beeinflussen kann. Auszug aus dem Wettbewerbsentwurf des Siegerteams vom BORG GötzisWir ernähren uns im Stress mit Tabletten. Wir füllen das Gehirn unserer Kinder über Kabel mit Lernstoff ab. Wir bestellen unseren Partner nach Wunsch über das Internet. Wir verabreichen uns täglich eine digitale Nachrichteninfusion. Es ist ein kritischer Blick, den die 16 bis 17-jährigen Nachwuchskünstler mit die- sen Szenarien auf „Unsere Welt von morgen“ werfen. Zentrales Element ihrer Rauminstallation in der Johanniterkirche ist ein Video am Ende eines Weges. Die mehr oder weniger großen gesellschaftlichen Probleme und persönlichen Hindernisse werden durch Steine symbolisiert.

Schule, Kinder, Beziehung, Ernährung und Medien sind die Themen, deren Entwicklung im Zeitablauf nachgezeichnet wird. Als Bühne für den Film hat das Siegerteam vom BORG Götzis eine Bilderbuchkulisse im Rheintaler Ried gewählt.: Die Natur als starke Gegenwelt zum technisierten Alltag. Inmitten von Obstbäumen, Maisfeldern, Schilfhalmen und wolkengesäumten Bergketten wer- den die kulturellen Requisiten des Menschen von der Steinzeit bis zur heutigen Computergesellschaft platziert.

Die Jugendlichen stellen mit diesen surrealen Bildern ihre Fragen an die Zukunft. Droht das virtuelle Leben das reale zu erdrücken, wenn wir nicht gegensteuern? Muss man alles haben, was die Welt von Google, Apple und Facebook bietet? Ihre Antworten sind klar: Wir müssen uns mehr mit den Menschen beschäf- tigen, uns um soziale Beziehungen kümmern. Wir müssen wieder raus in die Natur und uns selber spüren. Wir dürfen die digitale Technik nutzen, aber nicht vollkommen darin versinken. Uns nicht soweit ablenken lassen, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes gar nicht mehr da sind. Dieses Da-Sein führt unweigerlich zu einer Auseinandersetzung mit der Zeit, vom Wimpernschlag des Augenblicks bis zur Unendlichkeit des Universums. Als Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft ist es der Augenblick, der die Jugendlichen am meisten fasziniert und auch fordert. Es ist jener Moment, der gerade noch Zukunft war und schon wieder Vergangenheit ist. Festhalten lässt er sich nicht, aber intensiver leben, sind sie überzeugt. Filmisch versuchen die Nachwuchskünstler der Zeit ein Schnippchen zu schlagen. Als Betrachterin und Protagonistin zugleich erlebt eine Passantin auf dem Fahrrad gestern, heute und morgen in Zeitraffer. Veränderungen werden für den Augenblick festgehalten, um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Und das mit einem spielerischen Augenzwinkern.

„Unsere Welt von morgen“ Junge Vilde 2011 – Das Team

Julia Gasser aus Rankweil, geb. am 2. 1. 1995 Ist ein sehr musikalischer und kreativer Mensch. Kunst gibt ihrem Leben Sinn und macht sie glücklich. Damit kann sie abschalten und die Momente genießen. Und: Sie lacht sehr oft und gerne.

„Unsere Welt von morgen“ hat für mich die Farbe orange. Diese warme, strah- lende Farbe bedeutet für mich, dass die Menschen etwas wärmer im Umgang miteinander werden und einsehen, dass das gegenseitige Bekämpfen sie nicht viel weiter bringt. Ich verbinde damit allerdings auch die Klimaerwärmung. Wir werden uns bewusster um unsere Erde kümmern müssen. In dieser Zukunft möchte ich einen Arbeitsplatz haben, bei dem Menschen, vor allem Kinder und Babys um mich herum sind. Ich sehe mich als Ärztin oder als Hebamme. Durch unsere Rauminstallation in der Johanniterkirche denke ich mehr darüber nach, ob es gut ist gewisse Dinge zu tun oder nicht und welche Auswirkungen das auf die Zukunft haben könnte.

Marie Bechter aus Brederis, geb. am 8. 7. 1995 Fotografie und Video interessieren sie sehr. Sie ist offen für Neues, oft unterwegs und hat viele Orte im Kopf, die sie bereisen möchte. Sie sieht sich als fröhlicher Mensch, der gerne mit Freunden zusammen ist.

Ich werde mich eher an die neumodernen Berufe halten, bei denen ich technische Entwicklungen nutzen kann und zugleich Zugang zu meinen Mitmenschen habe. Wenn ich von „Unserer Welt von morgen“ höre, denke ich an eine Zeit in etwa 50 Jahren. Wir gehören zu den Großeltern, sitzen im Schaukelstuhl und sehen, wie sich der Alltag der jungen Menschen von unserem unterscheidet. Die Farbe dieser Zukunft hängt wohl von der Brille ab, die man sich jeweils aufsetzt. Die künstlerische Auseinandersetzung damit hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Mir ist klar geworden, dass man seine Freunde wirklich schätzen sollte und dass man viel erreichen kann, wenn man zusammenhält.

Lisa Bickel aus Götzis, geb. am 28. 7. 1995 Liebt Fotografieren, Snowboarden und Tanzen. Sie fährt mit der Vespa durchs Land und unternimmt gern etwas mit Freunden. Sie wünscht sich, noch mehr von der Welt zu entdecken.

Wenn man mich über „Unsere Welt von morgen“ fragt, denke ich zuerst an High- Tech, Roboter, Science-Fiction-Filme und Computer. Wenn ich länger überlege,sind es eher positive Dinge wie Freundschaft, Glück und Familie. Die Zukunft sehe ich bunt durchmischt. Das bedeutet für mich Vielfalt. Jeder kann so sein, wie er will, ohne sich an ein bestimmtes Muster zu halten. Wenn jeder auf seine Mitmenschen schaut, kann die Welt um einiges besser werden. Bei dem Kunstprojekt habe ich deutlich gemerkt, das jeder eine ganz andere Vorstellung von der Zukunft hat, meine hat sich dadurch schon ein wenig verändert.

Julia Vergianitis aus Sulz, geb. am 9. 3. 1994 Verbringt sehr viel Zeit mit Musik und immer mehr mit Kunst, was ihr Abwechslung bringt. Das Wichtigste im Leben sind für sie die Familie und die Freunde.

Wenn ich von „Unserer Welt von morgen“ höre, sind meine Gedanken zuerst weit weg, zwanzig Jahre und mehr. Bei längerem Nachdenken merke ich, dass die Zukunft auch schon in der nächsten Sekunde sein kann und wir in jedem Moment etwas verändern können. Für mich hat die Zukunft die Farbe grün, für Glück und Hoffnung, aber auch für die Veränderung der Umwelt. Meine Rolle dabei ist vermutlich irgendwo im sozialen Bereich angesiedelt. Durch unsere künstlerische Arbeit für die Johanniterkirche habe ich gelernt, dass man die Vergangenheit abschließen, die Gegenwart jetzt leben und bei der Zukunft auch schon an den nächsten Tag denken sollte.

Alexander Au Yeong aus Rankweil, geb. am 29. 5. 1994 Stammt ursprünglich aus Singapur und ist schon oft umgesiedelt, was die Zukunft für ihn ein wenig unklar macht. Er fotografiert und tanzt für sein Leben gern. Je nach Jahreszeit ist er auf dem Snowboard oder auf dem Longboard anzutreffen.

Auch wenn die Tat nur winzig klein ist, möchte ich täglich etwas tun, um das Leben für jemanden leichter machen. Beruflich sehe ich mich als Designer und/ oder Fotograf. Eine konkrete Farbe hat die Zukunft für mich nicht. Ich werde aber gerne dazu beitragen, dass „Unsere Welt von morgen“ ganz bunt wird. Durch das Kunstprojekt habe ich unglaublich viel gelernt, nicht nur technisch. Ich habe sehr viel an Perspektive gewonnen. In meinem Leben hat sich dadurch viel verändert. Es klingt vielleicht kitschig, aber ich bin sehr dankbar dafür.

 

 

Junge Vilde – Die Ausstellung im Detail:

Dauer: 12. November bis 23. Dezember 2011